• Überdachung der Ausfahrt vor dem KundenCenter der Autostadt in Wolfsburg
    © Tobias Hein
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Überdachung der Ausfahrt vor dem KundenCenter der Autostadt in Wolfsburg

Wolfsburg, 2013

In der Ausfahrt vor dem KundenCenter können elektronische Systeme von Neuwagen getestet werden. Der Entwurf für ihre Überdachung ist der Idee eines ‚Blattes in der Landschaft‘ nachempfunden. Das Dach besteht aus einer Sattelfläche, die sich - mit nur zwei minimalistischen Berührpunkten zum Erdboden - leicht und harmonisch in ihre hügelige Umgebung fügt. Dabei überspannt das Tragwerk seinen elliptischen Grundriss mit einem Längen/Breiten-Verhältnis von etwa 55 m/38 m. Aus der globalen Sattelgeometrie ergeben sich zwei Hoch- und zwei Tiefpunkte, wobei die Hochpunkte bei etwa 6 m und 9 m über den gleichhohen Tiefpunkten liegen. Die Sattelfläche besteht aus einer seilnetzgestützten PTFE-Membran, die von einem dynamisch geformten Randträgerhohlkasten aus doppelt gekrümmten Stahlblechen eingefasst wird. Membran- und Seilnetzebene werden jeweils gegen den druckringartigen Randträger vorgespannt und sind zudem an den Netzknotenpunkten miteinander verbunden.


  • Ort

    Wolfsburg

  • Architekt

    GRAFT, Berlin; WES LandschaftsArchitektur, Hamburg

  • Zusammenarbeit

    Kardorff Ingenieure Lichtplanung GmbH, Berlin

  • Auszeichnungen

    Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues 2015, Kategorie Hochbau, Gewinner

  • Bauherr

    Autostadt GmbH

  • Bauunternehmen

    Eiffel (Stahlbau/steel construction); Taiyo, formTL (Membrane)

  • Unsere Leistung

    Entwurf, Ausführungsplanung, Ingenieurtechnische Kontrolle

Spannung

Das Gleichgewicht ebener Netze, wie sie zum Beispiel in verglasten vertikalen oder geneigten Seilnetzfassaden vorkommen, kann sich unter äußerer Last (rechtwinklig zur Fläche mit Druck und Sog) nur als Folge elastischer Dehnungen einstellen. Diese Dehnungen lassen sich durch Vorspannung zwar „vorwegnehmen“, d. h. reduzieren, weil sich das Gleichgewicht beim vorgespannten System früher einstellt, aber es wird trotzdem zur Netzmitte hin zunehmende Verformungen geben.

 

Membran und Seilnetz sind in Aufbau und Tragverhalten ähnlich, da beide Ebenen aus Zuggliedern in zwei orthogonal zueinander ausgerichteten Scharen gewebt bzw. geknüpft sind (vergleiche Trag-/Spannseile mit Kett-/Schussrichtung). Dieser Umstand bringt mehrere Vorteile mit sich: Membran und Seilnetz können bei entsprechendem Zuschnitt exakt parallel, aber berührungslos über- einander gegen den Rand gespannt werden.

Wie können 150 Tonnen leicht wirken?

Das Dach, ein membranbedecktes, selbstverankertes Kabelnetz mit einem Eigengewicht von nur 8,3 kg/m² bedeckt eine Fläche von 1610 m². Der Randträger hat eine Gesamtlänge von ca. 150 m und ist symmetrisch zur Längsachse des ovalen Grundrisses. Er besteht aus einem fünfeckigen, geschweißten Stahlkasten (S355), welcher wellenförmig entlang der Längsachse des Randträgers verläuft und rotiert. Dabei variieren die Materialdimensionen kontinuierlich und erzeugen so trotz eines Gesamtgewichts von 150 t ein leichtes und dynamisches Erscheinungsbild.

 

Das Seilnetz besteht aus zwei Serien offener Spiralseile mit orthogonaler Ausrichtung zueinander, mit einer Gesamtlänge von ca. 2100 m. Aus strukturellen Gründen variiert der Durchmesser der konkav orientierten Tragseile (24mm) zu dem der Zugseile (20mm).

 

Der Leitgedanke von Graft und schlaich bergermann partner während des interaktiven Designprozesses war, die komplexe Struktur durch strukturelle Klarheit in Konzept und Detail möglichst einfach und schlicht zu halten. Hauptmerkmale dieser auffälligen Überdachung sind das deutlich sichtbare Seilnetz und die dynamische Form des Randträgers, welcher nur von zwei Stützen getragen wird.

  • Membranfläche 1.610 m²
  • Seile offene Spiralseile, galvanisiert,
    Ø 20 mm, 24 mm, Länge 2.000 m
  • Gründung Pfahlgründung, Ø 60 cm, Länge 20 m
  • Länge x Breite x Höhe ca. 55 m x 38 m x max. 9 m
  • Membran PTFE-beschichtete Glasfaser-Membran,
    Typ 3
  • Überdachung der Ausfahrt vor dem KundenCenter der Autostadt in Wolfsburg © Tobias Hein
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