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Bauingenieurwesen und Kunst

© Klaus Frahm
Light-weight structures 03.07.2017

Bauingenieure und Kunst?

schlaich bergermann partner ist bekannt als Planer großer Stadiondächer oder weitgespannter Brücken. Wir unterstützen aber auch Bauherren, Künstler, Architekten und Landschaftsarchitekten bei der Realisierung von Kunstwerken. Egal ob temporäre Installationen oder dauerhafte skulpturale Bauwerke – uns interessieren sowohl kleine, feine Projekte als auch visionäre „Large-Scale“-Ideen.

 

Dieser Artikel zeigt Auszüge aus unserer Zusammenarbeit mit Künstlern wie Christo, Antony Gormley oder Tobias Rehberger und weitere Projekte.

Die Mastaba (Abu Dhabi, VAE) von Christo und Jeanne-Claude

  • © Christo 2012/Photo:Wolfgang Volz
  • © schlaich bergermann partner
  • © Christo 2012
  • © Christo 2012

Die Mastaba (Abu Dhabi, VAE) von Christo und Jeanne-Claude

Seit 1977 beschäftigt sich Christo mit dem Werk der Mastaba für Abu Dhabi: in der Wüste soll eine Skulptur aus unglaublichen 440.000 farbigen Ölfässern entstehen. Das Wort Mastaba bezeichnet Grabbauten in Form eines Pyramidenstumpfes. Diese vom Künstler gewünschte Form mit ganz bestimmten Winkeln und Proportionen, geraden und schrägen Seiten, muss durch die Stapelung der Fässer erzeugt werden. Die Skulptur soll von außen betrachtet werden.

 

Für die Tragstruktur und Halterungen der Fässer entwickelte schlaich bergermann partner ein ausgeklügeltes Stahlfachwerk mit komplexen Knotenverbindungen als Tragwerk, auf dem die Fässer befestigt sind. Da der zehn Tage dauernde Aufrichtungsvorgang Teil des künstlerischen Konzepts ist, wird auch ein besonderer Montageablauf vonnöten: Die fünf großen Flächen (vier Seitenflächen und die Oberseite) werden vormontiert und die Seiten rund um die Oberseite flach auf der Erde positioniert, um dann auf immer weiter in die Höhe wachsenden Hilfsstützen unter der Oberseite langsam aufgerichtet zu werden.

 

Für die Halterungen der Fässer bestehen spezielle Ansprüche. So soll ein Fass aus der Struktur herauszunehmen sein, da man bei dem für „die Ewigkeit“ ausgelegten Projekt auch Wartungen benötigt. Auch sollen einzelne Elemente bewegt und nach innen geschwenkt werden können. Dies war, besonders in den Eckbereichen, eine große planerische Herausforderung.

 

Die Mastaba wird mit einer Höhe von ca. 150 m und einem Grundriss von ca. 300 m × 225 m die größte Skulptur der Welt werden und außerdem das einzige dauerhafte Werk des Künstlers in dieser Größe.

 

 Link: Projekt   Link: Website Christo  Link: Artikel

Horizon Field in den Hamburger Deichtorhallen

  • © Henning Rogge / Deichtorhallen
  • © Henning Rogge / Deichtorhallen
  • © Henning Rogge / Deichtorhallen

Horizon Field in den Hamburger Deichtorhallen

Die Deichtorhallen Hamburg sind eines der größten Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst in Europa. Anlässlich der documenta 2012 konnten Besucher hier eine temporäre Installation des britischen Künstlers Anthony Gormley erleben, zu dessen bekanntesten Werken die gigantische Stahlskulptur „Angel of the North“ im Nordosten Englands zählt. Gormley entwickelte die Installation „Horizon Field“ eigens für die fast 2.500 m² große und bis zu 19 m hohe Nordhalle mit ihrer offenen Stahlkonstruktion.

 

Das Haupttragwerk bestand aus Stahlträgern, gestützt durch Seilunterspannungen. Den Fußbodenaufbau bildete eine mit Polyurethan-Gießharz beschichtete Holzkonstruktion. So erhielt man eine glatte, tiefschwarze, spiegelnde Oberfläche.

 

Barfuß betrat man die von der Dachkonstruktion abgehängte, leicht pendelnde Plattform und konnte sich in eine ungewohnte Dimension der Wahrnehmung entführen lassen: Fühlen, Hören und Sehen wurden durch Vibration, Spiegelung und Sound neu erfahren. Die Menschen auf dieser weiten, freischwebenden Ebene mussten sich im gegenseitigen Miteinander neu orientieren. 

 

Link: Projekt    Link: Website Gormley

Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ in Oberhausen

  • © Roman Mensing
  • © Roman Mensing
  • © Roman Mensing
  • © Roman Mensing

Die elegante, über 400 m lange Fußgängerbrücke über den Rhein-Herne-Kanal ist Teil des Projektes „EMSCHERKUNST.2010“. Nach dem Konzept des mit seinem Studio in Frankfurt am Main ansässigen Künstlers Tobias Rehberger verbindet ein farbiges Band, umwickelt mit einer leichten, schwingenden Spirale, zwei vorhandene Parks. Als Inspiration darf hier das bekannte Spielzeug „Slinky“ gelten, eine lange Metall- oder Kunststoffschraubenfeder, die „alleine“ eine Treppe hinuntersteigen kann.  

Es wäre natürlich möglich gewesen, die Spirale selbst als tragende Struktur auszubilden. Alle verglichenen Lösungen hätten aber zu einer sehr schweren Erscheinung geführt. Das Team entschied deshalb, das farbige Band selbst zum Tragwerk zu machen. Von dort war es nur ein kleiner Schritt zum endgültigen Entwurf: eine leichte dreifeldrige Spannbandbrücke mit Stahlbändern, um die sich die Spirale nichttragend windet. So konnte die Spirale ganz leicht ausgebildet, im Grundriss und in der Ansicht frei geführt und so schließlich zum gestaltprägenden Element des Bauwerks werden

 

Als Lauffläche dienen auf die zwei Stahlbänder geschraubte Betonfertigteile, an denen Brückengeländer und Spirale befestigt sind. Der federnde Kunststoffbelag des Gehweges sowie die farbige Rhythmisierung von Beton und Belag verstärken das dynamische Erleben der Brücke.

 

Link: Projekt    Link: Artikel

Temporäre Installationen

  • „At Crossroads“, Installation der Künstlerin Kalliopi Lemos, Berlin
  • © Wilmar Konig
    „Großes Himmelstor", Berlin 2003
  • © Filipe Costa
    Olympische Zeremonie im Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro 2016
  • © Filipe Costa
    Olympische Zeremonie im Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro 2016
  • © Filipe Costa
    Olympische Zeremonie im Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro 2016

Temporäre Installationen

Genauso wie „Horizon Field“ in Hamburg sind viele Kunstwerke von Anfang an als temporäre Bauten gedacht. Sie unterscheiden sich dadurch von vielen anderen Projekten, da zum Beispiel der Planung einer einfachen und kostengünstigen Demontage eine viel größere Bedeutung zukommt.

 

Die obigen Bilder illustrieren Projekte wie das „Große Himmelstor“ für den Ökumenischen Kirchentag 2003 (eine Speichenradkonstruktion mit pneumatisch gestütztem Membrantorus vor dem Brandenburger Tor) und „At Crossroads“ 2009 (ein Holzturm aus Flüchtlingsbooten), beide vor dem Brandenburger Tor in Berlin, sowie die Eröffnungs- und Abschlussfeier für die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien.

 

schlaich bergermann partner plante für das Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ein temporäres Dach sowie eine besondere Seil- und Stahlkonstruktion. Riesige Bühnenbilder und ausgefeilte Technik mussten im Stadion aufgebaut und mehr als 200 t zusätzliche Installationen im filigranen Seildach integriert werden; die Bühnenbilder sollten zum Teil auf den vorhandenen Tribünen stehen. Dazu waren umfangreiche rechnerische Nachweise und erneute Windkanalversuche notwendig. Auch die Struktur und Aufhängung des Olympischen Feuers mit dem dazugehörigen kinetischen Werk des Künstlers Anthony Howe wurde statisch verifiziert. Unzählige Aufbauten und Systeme für die Shows mussten einer statischen Prüfung unterzogen werden – wie etwa ein mit Seilen am Stadiondach befestigtes und durch das Stadion schwebendes Flugzeug.

Denkmäler und Wahrzeichen

  • © schlaich bergermann partner
    „Monumento M11“, Bahnhof Madrid-Atocha
  • © Jens Meyer / SCHOTT
    „Monumento M11“, Bahnhof Madrid-Atocha
  • © Klaus Frahm
    Stabgittertürme Kesselhaus, Hamburg HafenCity
  • © Klaus Frahm
    Stabgittertürme Kesselhaus, Hamburg HafenCity
  • © schlaich bergermann partner
    Stahl-Glas-Konstruktionen, Messe Mailand
  • © schlaich bergermann partner
    Stahl-Glas-Konstruktionen, Messe Mailand

Denkmäler und Wahrzeichen

Das genaue Gegenteil zu temporären Installationen ist die Entwurfsaufgabe bei Denkmälern und Logos. Hier stehen Dauerhaftigkeit und Wiedererkennungswert im Vordergrund. Denkmäler werden zur Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis und für einen bestimmten Ort entworfen, wie etwa das Monumento M11 am Bahnhof Madrid-Atocha, ein Kunstwerk aus massiven Glasblöcken mit innenliegender ETFE-Folie, zum Gedenken an die Opfer der Terrorattentate vom 11. März 2004. 

 

Eine doppelte Funktion wünschte man sich dagegen in Hamburg: eine Reminiszenz an die im Zweiten Weltkrieg beschädigten Schornsteine des ersten Dampfkraftwerkes der Stadt und gleichzeitig einen Blickfang für das Informationszentrum der HafenCity, das heute im denkmalgeschützten Bau beheimatet ist. Realisiert wurden zwei filigrane, 20 m hohe Stabgittertürme, die die historische Silhouette des Kesselhauses wiederherstellen.

 

Ein leichter Tensegrity-Turm aus Stahlrohren und -seilen als neues, weithin sichtbares Wahrzeichen steht seit 2003 auf dem Gelände der Messe Rostock. Den gleichen Zweck erfüllt die Glasskulptur am Eingang der Messe Mailand, die sich als Glasdach über das Gelände weiterschwingt. 

Gärten und Pavillons

© Grit Schwerdtfeger, LUX Fotografen

Gärten und Pavillons

Der „Christliche Garten“ gehört zu den „Gärten der Welt“ im Erholungspark Berlin-Marzahn. Seine Form symbolisiert einen klösterlichen Kreuzgang auf quadratischem Grundriss, umgeben von einem überdachten Wandelgang.

 

Für den Entwurf dieser Pergola suchten relais Landschaftsarchitekten ein minimalistisches Tragwerk, welches die Buchstaben christlicher Zitate in Wände und Decken integriert. Als beste Idee stellte sich im Entwurfsprozess ein räumliches Rahmentragwerk aus Aluminiumguss heraus, in dem Hülle und Buchstaben eine tragende Einheit bilden. Die einzelnen Guss-Teilsegmente sind durch Schweiß-, Schraub- und Steckverbindungen miteinander verbunden. Beim Durchschreiten des Wandelganges ist der Besucher umgeben von goldglänzender Schrift, die ihren Schatten auf den Boden wirft. 

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